
Am Donnerstag, den 16. April, um 19 Uhr verwandelte sich der Vortragsraum der Wegberger Mühle in ein kleines Stück Wald. Rund 30 Menschen waren gekommen, um Angela Suchan zu erleben – und sie wurden nicht enttäuscht. Die Veranstaltung, getragen von NABU Wegberg und dem Netzwerk für Natur und Nachhaltigkeit (NNN), entwickelte sich schnell zu einem Abend, der weit über reine Wissensvermittlung hinausging.
Angela Suchan, mit kaufmännischem Hintergrund kam und viele Jahre in der Wirtschaft tätig, brachte eine ungewöhnliche Mischung mit: Coach, Wirtschaftsmediatorin, Waldführerin, Resilienztrainerin. Diese Kombination verlieh ihrem Vortrag eine besondere Tiefe – als würde jemand gleichzeitig mit dem Kopf, dem Herzen und den Füßen im Wald stehen.
Im Zentrum stand die Frage, warum der Wald uns so guttut. Und es wurde schnell klar: Der Wald ist weit mehr als eine Kulisse. Er ist ein stiller Heiler. Er senkt Stresshormone wie Kortisol, beruhigt den Blutdruck, stärkt das Immunsystem. Terpene – jene ätherischen Öle der Bäume – wurden zu unsichtbaren Verbündeten, die wir beim Atmen aufnehmen und die unsere körpereigenen Killerzellen aktivieren. Selbst unser Mikrobiom profitiert. Schon wenige Minuten im Wald reichen, um die Stimmung zu heben, den Kopf zu klären und die Erholung spürbar zu machen. Die Farbe Grün, so unscheinbar sie wirkt, wurde zur heimlichen Protagonistin des Abends.
Ein weiterer Schwerpunkt führte in die Welt naturbelassener Wälder. Studien zeigen: Je wilder, desto wohltuender. Und plötzlich rückte auch die gesellschaftliche Dimension in den Fokus. Der Wald ist laut Bundeswaldgesetz ein Erholungsraum für alle – ein Ort, der uns gehört und den wir zugleich schützen müssen. Dieses Bewusstsein wächst, und es war im Raum deutlich zu spüren.
Doch der Abend scheute auch kritische Themen nicht. Der „Holzhunger“ Deutschlands wurde offen angesprochen: Ein Großteil des geschlagenen Holzes landet nicht in langlebigen Möbeln, sondern in Papier oder Öfen. Die verbreitete Annahme, Holzheizen sei automatisch klimaneutral, wurde differenziert betrachtet – denn ökologische Zusammenhänge und Regenerationszeiten lassen sich nicht einfach wegheizen.
In der anschließenden Diskussion wurde es noch lebendiger. Der Waldumbau stand im Mittelpunkt: Kann der Mensch wirklich bessere Wälder erschaffen als die Natur selbst? Oder sind natürliche Prozesse – Epigenetik, Selbstregulation, Verjüngung – langfristig die klügeren Architekten? Die Mehrheit im Raum neigte der Natur zu.
Einigkeit herrschte schließlich in einem Punkt: Ein Wald ist kein Holzlager, sondern ein atmendes, komplexes Ökosystem. Ein Geflecht aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, das sich selbst reguliert und in enger Beziehung zum Menschen steht. Die Idee, naturbelassene Wälder konsequent zu schützen und Holzproduktion gezielt auf geeignete Flächen zu konzentrieren, fand großen Anklang.
Auch Vertreter aus dem Klima- und Nachhaltigkeitsmanagement der Stadt Wegberg brachten sich engagiert ein – und so endete der Abend nicht nur informativ, sondern inspiriert. Viele gingen mit dem Gefühl nach Hause, den Wald mit neuen Augen zu sehen.


Ein wunderbares Thema. Da wäre ich gerne dabei gewesen.
Hat der Klimamanager von Wegberg jetzt auch die Position des Nachhaltigkeitsmanager übernommen? Die Position wurde ja nicht mit dem Vertreter verlängert. Leider
Liebe Grüße